Wer ist Archophob?

Wer Angst vor Spinnen hat, ist arachnophob.

Wer Schweißausbrüche bekommt, sobald jemand mit Schußwaffen hantiert, ist hoplophob.

Wer ein mulmiges Gefühl im Bauch hat, wenn sich vor der Moschee an der Ecke langbärtige Salafisten versammeln, ist islamophob.

Und wer seinen „nein, bitte nicht“-Moment immer dann hat, wenn ein Behördenschreiben im Briefkasten liegt, der ist hier richtig: archophob ist die Furcht und das Unwohlsein angesichts einer Macht, die sich in immer mehr Lebensbereiche einmischt, und der man als Einzelner nicht viel entgegenzusetzen hat.

Es heißt ja immer, „der Staat sind wir alle“, aber das stimmt nicht. „Der Staat“ und „die Wirtschaft“ sind zwei verschiedene Welten – es macht tatsächlich einen Unterschied, ob Du Dein Geld von Steuerzahlern bekommst, die keine wirkliche Chance haben, sich der Besteuerung zu entziehen, oder von zufriedenen Kunden, die genau Dich bezahlen wollen, um Deine Arbeit zu honorieren.

Es heißt auch, in einer Demokratie hat jeder die Chance, sich politisch zu engagieren. Nur liegt es in der Natur der Sache, daß Leute, die spezielle Interessen von Staat bedient sehen wollen, leichter Gehör finden, als Menschen, die einfach nur in Frieden gelassen werden wollen.

Erwartet also jede Menge Gejammer über die dumme Politik und die böse Bürokratie, über die Kontrollsucht derjenigen, die in den Hierarchien ganz oben stehen und über das Mißtrauen gegen die Masse all der Leute, die einfach nur in Frieden ihre ganz persönlichen, individuellen Ziele verfolgen wollen, ohne anderen etwas zu tun und ohne von anderen gestört zu werden.

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Zur Flüchtlingsproblematik

Einerseits jammern Deutschland im speziellen und die EU im allgemeinen über den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel, andererseits zwingt man Leute, die zum Arbeiten und Geldverdienen hierherkommen wollen, in’s Asylverfahren und verweigert ihnen die Arbeitserlaubnis. Abgelehnte Asylbewerber (soganannte „Wirtschaftsflüchtlinge“) zappeln als „geduldete Ausländer“ im sozialen Netz und bekommen mangels Job keinen Fuß auf den Boden, Schlepperbanden verdienen sich goldene Nasen, und immer wieder ertrinken im Mittelmeer Flüchtlinge, deren Kutter es über die Kleine Syrte nicht bis nach Sizilien oder Malta, sondern nur bis kurz vor Lampedusa geschafft hat.

Wie könnte die EU die Flüchtlingsströme so lenken, daß es sich einerseits nicht mehr lohnt, die (teure) Überfahrt mit einem „Seelenverkäufer“ zu riskieren, aber andererseits trotzdem nur solche Leute in den Schengenraum kommen, die eine realistische Chance auf Integration haben? Also keine Jihadisten, die ihren Krieg in’s Dar-al-Harb tragen wollen, und keine Sozialtouristen, denen ein Arbeitsverbot nur eine willkommene Ausrede liefert, um auszutesten, wie komfortabel das „soziokulturelle Existenzminimum“ hierzulande definiert ist?

Nun, eine Möglichkeit wäre, wenn die EU entweder mit Malta, Griechenland oder Tunesien ein Abkommen über die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone beschließt, in der folgende Regeln gelten:

1. jeder Flüchtling ist willkommen, der die Herausforderung annimmt, sich dort mit ehrlicher Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

2. jeder darf 1x im Jahr einen Antrag auf Einwanderung in die EU stellen; entweder nach dem Asylrecht, oder bei gegebener Qualifikation nach dem Blue-Card/Green-Card-Gesetz des gewünschten Ziellandes.

3. Null Toleranz für Gewaltkriminalität.

4. Null Sozialleistungen.

5. Null Steuern und Abgaben: Infrastruktur und Polizei werden aus einem EU-Sondertopf finanziert, es findet keine Unterscheidung zwischen „Schwarzarbeit“ und „regulärer Arbeit“ statt.

6. Null Bürokratie. Wer auch immer auf der Insel investieren will, schafft damit Qualifizierungschancen und Arbeitsplätze für die bereits angekommen Flüchtlinge und darf dabei in keiner Weise behindert werden.

Wo ich über Punkt 6 nachdenke, vielleicht wäre sogar eine griechische Insel am geeignetesten…

7. Sicherheit durch Wehrhaftigkeit: jeder Erwachsene (Frauen ab 14 Jahren) hat die Pflicht, im öffentlichen Raum eine Faustfeuerwaffe mitzuführen, um seinen ganz persönlichen Beitrag zur Durchsetzung von Punkt 3 leisten zu können. Waffen werden auf EU-Kosten verteilt, Munition muß man sich kaufen.

So eine „Ankunftszone“ könnte sehr viele Leute aufnehmen, weil sie die richtigen Anreize für „kapitalismus-konformes“ Verhalten setzt. Die EU würde kostenlose Sprachkurse anbieten, und sobald genug Leute auf der Insel deutsch, französisch, polnisch und spanisch können, würden große Konzerne ihre Callcenter dorthin auslagern – und wer weiß, vielleicht wollen dann gar nicht mehr so viele Leute nach „Kern-Europa“ weiterreisen…

… und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit könnte Punkt 5 dahingehend gelockert werden, daß die Betreibergesellschaften der Callcenter dann doch ein Minimum an Steuern zur Finanzierung der Sicherheitsinfrastruktur beitragen: da Kapitalgesellschaften ohnehin zur Buchführung verpflichtet sind, ist der bürokratische Aufwand zur Erhebung von Gewerbesteuer eher gering, und wer große Bürohäuser oder Fabrikhallen errichtet, kann für die bebaute Fläche auch Grundsteuer zahlen. Wichtig hierbei: kein Flüchtling muß lernen, wie man eine Steuererklärung ausfüllt, und die Gesamtbelastung für die Firmen ist so niedrig, daß der Anreiz zur Schaffung von Arbeitsplätzen bleibt.

Ob diese Zone auf Djerba oder auf Karpathos eingerichtet wird, ist ehe nebensächlich, wichtig ist, daß 1. es offizielle Fährverbindungen dorthin gibt, und 2. jeder Flüchtling, der auf Sizilien oder Sardinien aufgegriffen wird, vor die Wahl gestellt wird, es entweder auf der „Ankunftsinsel“ zu versuchen oder direkt in seine Heimat zurückzukehren.

Nur wenn es einen „offiziellen“ Weg nach Europa gibt, wird die Nachfrage nach „inoffiziellen“ Wegen nachlassen. Und der „offizielle“ Weg muß ein lohnendere Perspektive sein als der heutige „Duldungs-Status“.

Flug 4U 9525 und die Folgen

Der Copilot von Flug 4U 9525 war vor Jahren wegen Depression in Behandlung. Also fordern Kontrollfanatiker die Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht.

Die Identifizierung der Opfer von Flug 4U 9525 nimmt Zeit in Anspruch. Also fordert der Innenminister eine Ausweispflicht für Fluggäste.

Erschreckend wenige Leute stellen die wirklichen Fragen, die dieser Amokflug aufwirft:

Wie lange wollen wir noch dulden, daß auf normalen Linienflüge die Passagiere wie Schwerverbrecher auf einem Gefangenen-Transport behandelt werden? Wann wird die Fehlentscheidung korrigiert, daß seit 2001/9/11 jedes Cockpit eine uneinnehmbare Festung sein muß? Daß sich ein weshalb-auch-immer verwirrter Pilot per Knopfdruck verbarrikadieren kann, und die demokratische Mehrheit derjenigen Passagiere, die einfach nur planmäßig ihren Zielflughafen erreichen wollen, keinerlei Werkzeuge haben darf, um einen gefährlichen Psychopathen aus dem Cockpit zu entfernen?

Am 11.9.2001 wurden 4 Flugzeuge entführt. Zwei flogen in’s WTC, eines in’s Pentagon, und im 4 Flugzeug waren die Passagiere in exakt derselben Situation wie jetzt bei German Wings: lebensmüde Verrückte im Cockpit, und nicht genug Brecheisen und Baseballschläger, um sie rechtzeitig aus demselben zu entfernen.

Die Konsequenz, alles nur Denkbare zu tun, um lebensmüde Verrückte erst gar nicht in’s Cockpit hineinzulassen, funktioniert wie gesehen einfach nicht. Stattdessen muß endlich darüber nachgedacht werden, wie man die Verrückten effektiv wieder herausholt – in den wenigen Minuten, die ein Flugzeug braucht für einen Sinkflug von Reiseflughöhe auf Gebirgshöhe, und unter tatkräftiger Mithilfe möglichst vieler jener über 100 Passagiere, die eben nicht lebensmüde sind, sondern einfach nur heil und gesund ihr Ziel erreichen wollen.

Wenn dafür die Gänge zwischen den Sitzreihen breiter gemacht werden müssen, damit mehr Leute gleichzeitig ein von Verrückten besetztes Cockpit stürmen können – dann müssen halt ein paar Sitze eingespart werden. Wenn die Stewardessen dann eine Karate- oder Kung-Fu-Ausbildung brauchen, oder vielleicht Taser, dann ist das die Investition wert. Wenn die Cockpit-Tür zugunsten eines leichten Vorhangs verschwindet – okay. In öffentlichen Bussen ist auch keine Tür zwischen Busfahrer und Fahrgästen, schon gar keine gepanzerte. Und wenn unter jeden Sitz außer der bekannten Schwimmweste auch noch ein Brecheisen ist und in jeder 3. Reihe ein Feuerlöscher, dann wird es für Verrückte wesentlich schwerer, sich der geballten Wut derjenigen zu widersetzen, die keine Lust haben, sich wehr- und hilflos 8 lange Minuten in den sicheren Tod pilotieren zu lassen.

Wenn ich in einem Flugzeug säße, und beobachten müßte, wie der Flugkapitän gegen die Cockpittür hämmert und nicht hineingelassen wird, dann würde ich mir nicht wünschen, einen biometrischen Ausweis dabei zu haben, damit meine zerfetzte Leiche schneller identifiziert wird. Ich würde mir eine Axt wünschen oder einen Trennschleifer, damit ich dem Kapitän helfen kann, wieder an seinen Platz zu kommen.