Flug 4U 9525 und die Folgen

Der Copilot von Flug 4U 9525 war vor Jahren wegen Depression in Behandlung. Also fordern Kontrollfanatiker die Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht.

Die Identifizierung der Opfer von Flug 4U 9525 nimmt Zeit in Anspruch. Also fordert der Innenminister eine Ausweispflicht für Fluggäste.

Erschreckend wenige Leute stellen die wirklichen Fragen, die dieser Amokflug aufwirft:

Wie lange wollen wir noch dulden, daß auf normalen Linienflüge die Passagiere wie Schwerverbrecher auf einem Gefangenen-Transport behandelt werden? Wann wird die Fehlentscheidung korrigiert, daß seit 2001/9/11 jedes Cockpit eine uneinnehmbare Festung sein muß? Daß sich ein weshalb-auch-immer verwirrter Pilot per Knopfdruck verbarrikadieren kann, und die demokratische Mehrheit derjenigen Passagiere, die einfach nur planmäßig ihren Zielflughafen erreichen wollen, keinerlei Werkzeuge haben darf, um einen gefährlichen Psychopathen aus dem Cockpit zu entfernen?

Am 11.9.2001 wurden 4 Flugzeuge entführt. Zwei flogen in’s WTC, eines in’s Pentagon, und im 4 Flugzeug waren die Passagiere in exakt derselben Situation wie jetzt bei German Wings: lebensmüde Verrückte im Cockpit, und nicht genug Brecheisen und Baseballschläger, um sie rechtzeitig aus demselben zu entfernen.

Die Konsequenz, alles nur Denkbare zu tun, um lebensmüde Verrückte erst gar nicht in’s Cockpit hineinzulassen, funktioniert wie gesehen einfach nicht. Stattdessen muß endlich darüber nachgedacht werden, wie man die Verrückten effektiv wieder herausholt – in den wenigen Minuten, die ein Flugzeug braucht für einen Sinkflug von Reiseflughöhe auf Gebirgshöhe, und unter tatkräftiger Mithilfe möglichst vieler jener über 100 Passagiere, die eben nicht lebensmüde sind, sondern einfach nur heil und gesund ihr Ziel erreichen wollen.

Wenn dafür die Gänge zwischen den Sitzreihen breiter gemacht werden müssen, damit mehr Leute gleichzeitig ein von Verrückten besetztes Cockpit stürmen können – dann müssen halt ein paar Sitze eingespart werden. Wenn die Stewardessen dann eine Karate- oder Kung-Fu-Ausbildung brauchen, oder vielleicht Taser, dann ist das die Investition wert. Wenn die Cockpit-Tür zugunsten eines leichten Vorhangs verschwindet – okay. In öffentlichen Bussen ist auch keine Tür zwischen Busfahrer und Fahrgästen, schon gar keine gepanzerte. Und wenn unter jeden Sitz außer der bekannten Schwimmweste auch noch ein Brecheisen ist und in jeder 3. Reihe ein Feuerlöscher, dann wird es für Verrückte wesentlich schwerer, sich der geballten Wut derjenigen zu widersetzen, die keine Lust haben, sich wehr- und hilflos 8 lange Minuten in den sicheren Tod pilotieren zu lassen.

Wenn ich in einem Flugzeug säße, und beobachten müßte, wie der Flugkapitän gegen die Cockpittür hämmert und nicht hineingelassen wird, dann würde ich mir nicht wünschen, einen biometrischen Ausweis dabei zu haben, damit meine zerfetzte Leiche schneller identifiziert wird. Ich würde mir eine Axt wünschen oder einen Trennschleifer, damit ich dem Kapitän helfen kann, wieder an seinen Platz zu kommen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s